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Sehr geehrte Leser! Seit 35 Jahren setze ich mich für den Schutz der
Nichtraucher ein. Mit der Schaffung von Nichtrauchertischen in SB-Restaurants in
Innsbruck hat alles angefangen. Am 21. Juni 1975 wurde der Verein aktiviert.
Unsere Strategie damals wie heute war: Nichtraucherschutz überall dort, wo
mehrere Menschen im geschlossenen Raum zusammentreffen, Aufklärungsarbeit bei
Kindern und Jugendlichen, Bewusstseinsstärkung der Nichtraucher,
Öffentlichkeitsarbeit und Raucherberatung. Wir sind 1975 angetreten, den
Rauchern eine Botschaft zu vermitteln: Wir sind nicht gegen die Raucher, sondern
gegen das Rauchen am falschen Ort und zur falschen Zeit. Das
Persönlichkeitsrecht des einzelnen hat dort seine Grenze, wo das Recht eines
anderen beginnt. Rauchfreie Luft zu atmen ist ein Grundrecht und hat Vorrang vor
dem Lustrecht der Raucher. Eine friedliche Koexistenz kann es daher nicht geben,
weil Gesundheitsschädigung nicht toleranzfähig ist. Wer für den gesetzlichen
Nichtraucherschutz eintrat, wurde von den meisten Medien als militant und
fanatisch abgestempelt. Dieser journalistische Untergriff machte einen schnellen
Erfolg unmöglich. Trotzdem wurden unsere Forderungen öffentlich diskutiert und
fanden auch in der breiten Bevölkerung immer mehr Gehör. Harte
Auseinandersetzungen mit Unverständigen sind den Erfolgen
vorausgegangen.
„Primäre Prävention“ war in den 70er Jahren ein
Fremdwort. Die Raucherentwöhnung wurde vom Staat sehr stark gefördert, jedoch
mit wenig Erfolg. Der Großteil hat nach kurzer Entwöhnung wieder angefangen zu
rauchen. Schon 1976 (1 Jahr nach meinen Vorträgen „Wie werde ich Nichtraucher“)
habe ich erkannt, dass es erfolgreicher sei, durch Nichtraucherschutz,
Aufklärungsarbeit u. Bewusstseinsstärkung der Nichtraucher dafür zu sorgen, dass
nicht überall und jederzeit geraucht wird und dass Kinder und Jugendliche erst
gar nicht mit dem Rauchen anfangen. Das nenne ich erfolgreiche primäre
Prävention, für die der Staat jedoch wenig Interesse zeigte! Erst 23 Jahre
später (1997) gab mir die WHO recht, indem sie sagte: „Die Einrichtung von
Nichtraucherzonen war der Wendepunkt. Solche Maßnahmen verringern die Belastung
durch Passivrauchen, tragen bei Rauchern zur Minderung der täglichen
Teerbelastung und Nikotindosen bei und verschärfen generell das Bewusstsein,
dass Rauchen gesellschaftlich inakzeptabel ist, was Jugendliche vom Rauchen
abhält und Raucher motiviert, mit dem Rauchen aufzuhören.“
Legendär sind
meine Vorträge in Schulen, die ich hauptsächlich als Arbeitsloser in den Jahren
1982 - 1985 gehalten habe. Über 30.000 aufgeklärte Schüler! Davon sind Tausende
aufgrund meiner Vorträge Nichtraucher geblieben, oder es wieder geworden. Den
gesundheitlichen und finanziellen Vorteil für das Land Tirol kann niemand
errechnen. Doch eine Anstellung als Gesundheitsaufklärer wurde mir nicht gewährt
(kein Akademiker). 6 internationale Nichtraucher-Tagungen (Österreich,
Deutschland, Schweiz ) wurden im Bodenseeraum von 1977 - 1982 von mir
organisiert und veranstaltet. 15 Ballveranstaltungen ohne Rauch (1976 - 1990)
und 13 Gesundheitsausstellungen (1980 - 1992) habe ich durchgeführt. Die Aktion
„Ohne Rauch geht’s auch“ habe ich über Gesundheitsminister Herbert Salcher 1980
initiiert. 1980 habe ich das „Jahr des Nichtrauchens“ ausgerufen und die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat mich dabei unterstützt, indem sie den
Weltgesundheitstag am 7.4.1980 unter das Motto gestellt hat: „Rauchen oder
Gesundheit - Deine Wahl!“ Mein erster Auftritt im Fernsehen war bei Helmut Zilk
am 11.7.1976 „In eigener Sache“. Legendär war auch der Club 2 am 31.1. 1980 zum
Thema „Kommt bald ein Rauchverbot?“ wo mich der rauchende Diskussionsleiter
Adolf Holl und Beppo Mauhart, Sexsymbol Barbara Valentin und zwei weitere
Rauchervertreter (5 Raucher gegen 3 Nichtraucher) in die Pfanne hauen wollten,
um letztlich schmerzhaft zur Kenntnis zu nehmen, dass ich mit all meinen
Argumentationen die Oberhand behielt: 1:0 für die Nichtraucher! 180 verschiedene
Nichtraucher-Materialien wurden aufgelegt, um dem Nichtrauchen ein neues Image
zu geben und die Rauchfreiheiten damit einzuschränken (siehe Seite 11). Das
„SILBERNE VERDIENSTZEICHEN DER REPUBLIK ÖSTERREICH“ erhielt ich 1992. Es war
eine moralische Bestärkung, mich weiterhin für den Nichtraucherschutz
einzusetzen. Seit 1995 geht es unserem Verein finanziell sehr schlecht. Grund:
Die ÖVP hat 1994 in Tirol das Gesundheitsresort übernommen. Die Subventionen
wurden drastisch gekürzt und zudem sollten wir unsere primäre Prävention
evaluieren. Unmöglich! Schikane pur, statt großzügige Unterstützung! Die Auflage
der NRZ von 11.500 Stück musste stark gekürzt, statt erheblich erweitert werden.
Die Auswirkungen spüre ich deutlich: Leser der NRZ sind besser informiert und
können besser argumentieren. Wird die Verbreitung der NRZ eingeschränkt,
behindert das die sachliche Aufklärung und Argumentationshilfe für Nichtraucher.
Je weniger unsere Zeitung im Umlauf ist, desto mehr gibt es kontroverselle
Diskussionen und irrige Meinungen. Die Aufhetzung in einigen Medien gewinnt
Oberhand. Seit den 70er Jahren habe ich starke Netzwerke mit anderen
Nichtraucherorganisationen in Deutschland und in der Schweiz aufgebaut. Auch die
Vernetzung mit Wissenschaftlern und der Ärzteschaft in Österreich
(„Ärzteinitiative gegen Raucherschäden“) und Deutschland („Ärztlicher
Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit“, später auch Internet-Arbeitskreis von Dr.
Weber) hat wesentlich zum Erfolg beigetragen.
Je erfolgreicher wir
wurden, desto mehr regte sich der Widerstand der Raucherlobby (Tabakprozess 1987
- 1990). Die Tabakindustrie, die für Geld über Leichen geht, hatte mit den
Politikern leichtes Spiel. Die Beeinflussung der Tabakindustrie in die hohe
Politik haben wir in unserer Zeitung schon mehrmals aufgezeigt. Politiker, die
auserwählt sind zum Schutz der Bürger sich einzusetzen, haben skrupellos
gezeigt, dass ihnen persönliche Interessen wichtiger sind als die Gesundheit der
Bürger. Auch wurden die verschiedenen Anti-Raucherkampagnen von der Tabaklobby
schlecht geredet. Unsicherheit entstand. Dann lieber keine Maßnahmen ergreifen,
statt einen Fehler zu machen und möglicherweise die Jugend noch zum Rauchen zu
verleiten (Beispiel: Schockbilder seien kontraproduktiv usw.). Dazu kam die
Feigheit der Gesundheitsverantwortlichen gegenüber ihren rauchenden Freunden und
Chefs, sodass kaum wirksame Anti-Rauchkampagnen gestartet wurden. Man will es
sich ja mit niemanden verscherzen. Lieber kuschen statt kämpfen. Doch unser
steter Tropfen (35 Jahre Bewusstseinsstärkung und Aufklärungsarbeit) auf den
heißen Stein (Tabaklobby) hat inzwischen schon zu einigen Erfolgen geführt.
Tatsachen kann man auf Dauer nicht leugnen und so haben auch die vielen
Werbemillionen der Tabakindustrie die Schädlichkeit des Aktiv- und
Passivrauchens nicht vertuschen können. Wir haben zwar einen Prozess gegen die
Tabakindustrie verloren, aber Zustimmung seitens der Bevölkerung gewonnen. Immer
mehr Nichtraucher werden aktiv und lassen sich immer weniger die
Qualmvergewaltigung rücksichtsloser Raucher gefallen. Österreich hätte schon
1995 die Vorreiterrolle in Europa in Sachen Nichtraucherschutz einnehmen können.
Statt dessen wurde das beste Nichtraucherschutzgesetz von Gesundheitsminister
Michael Ausserwinkler (1993) zu einem drittklassigen Tabakgesetz ohne Sanktionen
degradiert (1995).
Gegenwart Für immer mehr Betroffene
wie z.B. Asthmatiker, Herzkranke, Schwangere, verantwortungsbewusste Eltern oder
Leute, die sich durch Tabakrauch in ihrer Lebensführung eingeschränkt fühlen,
ist die Schutzgemeinschaft erste Anlaufstelle geworden. Über 500 Personen kommen
pro Jahr mit ihren Anliegen ins Beratungszentrum. Hunderte wenden sich
telefonisch an mich. Viele Hunderte schreiben per E-Mail. Durch unsere Kompetenz
sind wir auch für einige Medien zu einer wichtigen Anlaufstelle geworden. Und
wir könnten noch viel mehr tun, würde uns die öffentliche Hand und Private
besser unterstützen! Die Tabakepidemie unter Österreichs Kindern und
Jugendlichen ist mit den vorhandenen Instrumenten allein (wie
Suchtpräventionsstellen) nicht mehr zu bewältigen. Was ich unter Kindern und
Jugendlichen beobachte ist so schrecklich, dass ich glaube, dass der Kampf
verloren ist, wenn nicht Politiker, Medien, Pädagogen, Geistliche u.v.a. bereit
sind, mit allen Mitteln gegenzusteuern und der Tabakseuche gesellschaftlich den
Kampf anzusagen. Es braucht eine Allianz für einen konsequenten
Nichtraucherschutz ohne Ausnahmen. Es braucht Motivation für Kinder und
Jugendliche, erst gar nicht mit dem Rauchen anzufangen. Es braucht wirksame
Hilfen für Ausstiegswillige.
Der von der Industrie geprägte Begriff
„Tabakmissbrauch“ verschleiert, dass es - im Gegensatz zu Alkohol - keinen
unschädlichen Gebrauch von Zigaretten gibt: bereits 3 Zigaretten pro Tag
verdreifachen das Risiko für Herzinfarkt und Lungenkrebs. Passivrauchen kann das
Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall verdoppeln. Studien in nord- und
westeuropäischen Ländern zeigten, dass die „Elternbildung“ zum Passivrauchen
nach Einführung von Rauchverboten an Arbeitsplätzen und in öffentlich
zugänglichen Räumen (einschließlich der Gastronomie) verbessert wurde. Das
Bewusstmachen des Tabakrauches als Luftverschmutzung reduzierte seine soziale
Akzeptanz und damit auch das Passivrauchen der Kinder zu Hause und die
Verführung Jugendlicher zum Tabakkonsum.
Gesundheitsverantwortliche und
leider nicht wenige Nichtraucher glauben, nur weil es jetzt ein Tabakgesetz
gibt, bräuchte es keine Schutzgemeinschaft für Nichtraucher mehr. Das Gegenteil
ist der Fall! Aber warum argumentieren einige so? Das Land Tirol sagt z.B. „Herr
Rockenbauer: Es gibt jetzt ein Tabakgesetz und jeder Bürger kann selbst eine
Anzeige tätigen.“ Gesundheitsverantwortliche wollen damit Subventionskürzungen
begründen. Nichtraucher hingegen denken, so der moralischen Verpflichtung einer
finanziellen Unterstützung uns gegenüber zu entkommen. Doch das österr.
Tabakgesetz kann in keinster Weise den menschlichen Einsatz, den ich seit 35
Jahren unter Beweis gestellt habe - ersetzen. Wegen fehlender staatlicher
Kontrollen und keiner sofortigen Abstrafung bei Verstößen, wird das Tabakgesetz
auch nach dem 1.7.2010 von über 50 Prozent der Wirte überwiegend auf dem Land
missachtet (Hauptraum nicht rauchfrei und offene Türen zum Raucherraum, fehlende
oder nicht ausreichende Kennzeichnung). Dieses Gesetz hat uns mehr Arbeit
verursacht als Erleichterung geschaffen. Und erst recht trägt ein solches
Tabakgesetz wenig zur Gesundheitsvorsorge für die Jugend und die nichtrauchende
Bevölkerung bei. Deutschland schützt wenigstens - im Gegensatz zu Österreich -
seine Kinder und Jugendlichen durch ein Betretungsverbot in Raucherräumen bis
zum 18. Lebensjahr.
Nichtraucherschutz ist die wichtigste primäre
Präventivmaßnahme! Mit keinem Geld kann auch nur annähernd so viel erreicht
werden, wie mit einem generellen Rauchverbot in der Gastronomie. Trotz dieses
Wissens wird dieser Schutz nicht umfassend gewährt. Warum? Weil die
Raucherlobby, allen voran die Wirtschaftskammer, den Gastwirten einredet, dass
bei einem generellen Rauchverbot die Umsätze sinken und über 5000 Lokale
zusperren müssten. Unbeeindruckt von diesen Lügen setzen wir uns seit 35
Jahren unermüdlich, glaubwürdig und konsequent im Rahmen der gesetzlichen
Möglichkeiten für einen wirksamen Nichtraucherschutz ein. Dafür werde ich
verspottet, unfair angegriffen, verleumdet, mit rufschädigenden Aussagen
aggressiver Raucher überhäuft und von der Politik nicht im notwendigen Ausmaß
unterstützt. Das ist ein wesentlicher Grund, warum es auch heute noch wenig
aktive Nichtraucher gibt. Man scheut die Konfrontation. Ein anderer Grund ist
Unwissenheit. Die Menschen haben keine Ahnung, was pro Jahr 11.000 vorzeitige
Todesfälle in Österreich durch das Rauchen und etwa 1.100 Todesfälle durch das
Passivrauchen bedeuten. Es sind Einzelschicksale. Gestorben wird abseits der
Massen im einsamen Krankenbett. Die Todesanzeigen enthalten ja nicht den Hinweis
„Er/Sie hatte geraucht“ oder „musste passiv mitrauchen“. Und sterben müssen wir
doch alle einmal. Es wird seitens der Gesellschaft nicht registriert, was für
menschliches Leid das Rauchen mit sich bringt und wie man auch durch
unfreiwilliges Mitrauchen vorzeitig das Leben einbüßt. Rauchen sei Privatsache.
Das Risiko des Rauchens ist den Rauchern wohl bekannt, wird aber verdrängt: mich
wird es schon nicht erwischen. Und jugendliche Raucher? Sie haben wenig
rauchfreie Vorbilder, keine Erfahrungen, es fehlt ihnen an Logik zu begreifen,
dass das, was sie heute tun, Auswirkungen für ihr späteres Leben hat. Auch die
Nichtraucher sind nicht genug sensibilisiert, den Raucherterror zu stoppen und
ihre eigene Gesundheit zu schützen. Tausende Tote? Was ist das schon! Das sind
30 tote Raucher pro Tag und 3 tote Passivraucher pro Tag. Würden in den
Tageszeitungen täglich diese Meldungen kommen, könnte es eine Sensibilisierung
bewirken. Deshalb muss das Rauchen gesellschaftlich geächtet werden. Rauchen ist
uncool, dumm und zeigt wenig Intelligenz. Für diese gesellschaftliche Ächtung
fehlt den Verantwortlichen der Mut. Ohne Unterstützung der Medien ist eine
Trendwende nicht möglich. 90 Prozent der Journalisten sind jedoch Raucher. Das
ist der Hauptgrund, warum wir immer noch nicht am Ziel sind.
Wir
brauchen Ihre Unterstützung Unsere Arbeit ist auch in weiterer
Zukunft dringend nötig: Gerade jetzt gilt es, • sich für wirkungsvolle
Gesetzesverbesserungen einzusetzen • die Kontrolltätigkeiten weiter
durchzuführen • Missstände aufzuzeigen • Aufklärungs- und
Präventionsarbeit vor allem für Kinder und Jugendliche zu tätigen •
Nichtraucher zu stärken durch entsprechende Publikationen (z.B.
Nichtraucher-Zeitung), Materialdienst und Öffentlichkeitsarbeit • die Medien
mit wichtigen Informationen zu beliefern • die emotionalen Diskussionen auf
die sachliche Ebene zu bringen, sei es durch persönliche Gespräche (oft sehr
mühsam) oder über Medien (Leserbriefe, Pressemeldungen, Pressekonferenzen)
usw..
Egal wie sich die Gesetze verändern werden, die Rauchsucht bleibt
noch viele Jahre bestehen und die Heranwachsenden sind immer wieder neu zu
motivieren, Nichtraucher zu bleiben. Die Menschen werden künftig nicht weniger
schutzwürdig sein. Gesundheitsschutz hat Vorrang vor allen anderen Interessen!
Wir haben es mit einer übermächtigen Raucherlobby zu tun, die trickreich das
Rauchen als persönliche Freiheit in der Gesellschaft verankert wissen will nach
dem Motto: „Der mündige Bürger soll selbst entscheiden, ob und wann er rauchen
will.“ Ein gesundheitspolitisch so wichtiges Anliegen wie der
Nichtraucherschutz im geschlossenen Raum, für das wir uns seit 35 Jahren
einsetzen und das auch die Mehrheit der Bevölkerung fordert (ca. 75 Prozent!),
braucht weiterhin die starke Unterstützung durch die öffentliche Hand und durch
aktive Nichtraucher. Die Jugendaufklärungsarbeit, die Öffentlichkeitsarbeit und
die Bewusstseinsstärkung der Nichtraucher sind wichtige Bausteine für eine
rauchfreie Jugenderziehung. Tabakrauch muss gesellschaftlich immer mehr geächtet
werden. Wir dürfen nun nicht auf halben Weg stehen bleiben! Es ist noch viel zu
tun!
Ich bekomme viel Zuspruch aus ganz Österreich und vor allem aus
Tirol. Leider missverstehen viele Bürger unsere Vereinssituation. Sie erwarten
entsprechende Leistungen, ohne sich finanziell einzubringen. Sie gehen davon
aus, dass der Verein eine (halb)öffentliche Institution ist, welche für ihre
Tätigkeit von der öffentlichen Hand voll bezahlt wird. Der Gedanke ist nicht
abwegig, denn tatsächlich müsste unsere ehrenamtliche Arbeit längst
hauptberuflich ausgeübt werden. Unsere Präventionsarbeit und Beratungstätigkeit
bedeuten für das Land Tirol volkswirtschaftlich eine enorme Kostenersparnis. Die
Kosten einer einzigen Person, die wir vor einem schweren Leiden bewahren können,
würde es rechtfertigen, dass der gesamte Aufwand abgedeckt wird und die
Personalkosten noch dazu. Unsere Arbeit ist also ein wertvoller Beitrag zum
Sparpaket! Doch das Land Tirol spart lieber in der Prävention. Deshalb benötigen
wir umso mehr die Unterstützung unserer Leser, denn eines muss allen klar sein:
Ohne Schutzgemeinschaft für Nichtraucher wird auch eine wichtige Stimme für den
Nichtraucherschutz zum Schweigen gebracht. Dadurch würden in weiterer Folge
viele Nichtraucher den Mut verlieren, sich weiterhin für den Nichtraucherschutz
einzusetzen. Das wäre ein Rückschlag auf viele Jahre! Ein Triumph für
rücksichtslose Raucher und ein Sieg für die Tabakindustrie. Oder ist das sogar
beabsichtigt? Müsste das Land Tirol also nicht froh sein, solch engagierte
Bürger zu haben, die es zu unterstützen gilt? Jedenfalls machen uns die
Subventionskürzungen des Landes Tirol arg zu schaffen.
Noch immer
nicht am Ziel Wir brauchen in der Gastronomie ein generelles
Rauchverbot! Nur damit lassen sich Konflikte zwischen Rauchern, Nichtrauchern
und Wirten vermeiden. Bei umfassender Information durch die Medien über die
Schädlichkeit des Passivrauchens akzeptiert die Gesellschaft ein generelles
Rauchverbot im geschlossenen Raum. Nach entsprechender Einführung wird diese
Maßnahme, je länger desto mehr, zu einer Selbstverständlichkeit werden, dass
dort nicht geraucht wird, wo sich auch noch andere Menschen aufhalten. Viele
Raucher müssen nach etwa 50 Jahren Zügellosigkeit erst wieder erzogen werden.
Sie müssen wieder lernen, was Anstand und Sitte ist. Leider reden die
Raucher immer noch von Toleranz, die es angesichts der Gesundheitsschädigung
durch das Rauchen nicht geben kann. Nur Nichtaufgeklärte fallen auf diese faulen
Argumentationen herein. Jahrzehnte wurden wir von der Intoleranz der Raucher
„gefoltert“ und nun verlangen die Raucher von den Nichtrauchern erneut Toleranz.
Wie kann man von jemanden etwas verlangen, was man selbst nicht lebt? Also liebe
Raucher, lernt endlich, dass Rauchen in Gegenwart von Nichtrauchern ein Akt der
Körperverletzung ist! Entsprechend diesem Wissen erwarten wir Rücksichtnahme und
Rauchverzicht in unserer Umgebung. Toleranz fordern und damit anderen Menschen
gesundheitlichen Schaden zufügen, ist verrückt! Sachliche Argumente können
die Raucher nicht vorlegen und so wird jede Diskussion mit aggressiven und
militanten Rauchern auf die emotionale Ebene heruntergezogen. Ein beliebtes
Argument der Raucher ist immer wieder, andere Probleme (Alkohol, Drogen,
Autoabgase, Umweltverschmutzung, ungesundes Essen usw.) für wichtiger zu
erachten als beim eigenen Fehlverhalten anzufangen. Ein anonymer
Leserbriefschreiber (Busfahrer aus Innsbruck) in der Kronenzeitung vom 26.4.2010
schreibt zum Beispiel, ich solle mich „für bessere Luft im Roppener Tunnel
einsetzen“ und beklagt auch, dass „das Gemüse zwischen Zirl und Thaur mit Blei
und Feinstaub voll gepumpt und dann als Bio verkauft wird.“ Schlusssatz:
„Dieser Anti-Nikotin-Apostel aus Landeck sollte sich für diese Zustände
interessieren und nicht alle Lokale in denen geraucht wird, anzeigen.“
Anonym anderen Arbeit anschaffen und selbst nichts tun, ist unfair und
dumm!
Doch auch einige Journalisten machen Jagd auf Nichtraucherschützer.
Zweck: Raucherfeindbild schaffen, Öl ins Feuer gießen und Konfrontation schüren.
So lautet die Schlagzeile in der Kronenzeitung vom 11.7.2010:
Nichtraucherschützer Rockenbauer bewegt sich zwischen Achtung und Ächtung durch
die Cafés. Wirt poltert: „Tabak-Sheriff forderte uns zum Rauchen auf!“
Unsere Leser glauben das sowieso nicht. Aber es gibt genug Leser der
Kronenzeitung, die nicht wissen können, was ist Wahrheit und was ist Lüge.
Deshalb habe ich einen Leserbrief an die Redaktion geschrieben, der auch
veröffentlicht wurde: Sehr geehrter Herr Holzmann! Ich bedauere, dass Sie
eine negative Schlagzeile suchen und finden und dann einen Artikel daraus
machen. Es ist eine Lüge oder ein Missverständnis, wenn der Wirt und seine
Kellnerinnen behaupten, ich hätte sie überreden wollen, mich eine Zigarette
rauchen zu lassen. Erstens habe ich garantiert keine Zigaretten bei mir und
zweitens würde ich nie jemanden zu einer offensichtlichen Straftat verleiten.
Handelt es sich um eine Lüge, würde ich gerne den Wirt wegen falscher Behauptung
und Rufschädigung anzeigen. Handelt es sich um ein Missverständnis, erwarte ich
eine Entschuldigung. Möglicherweise handelt es sich aber um einen Racheakt, weil
ich vielleicht das Lokal wegen Verstoß gegen das Tabakgesetz an die Behörde
gemeldet habe. Da ich also das Lokal nicht kenne und auch die Staatsanwaltschaft
die Redaktion der Kronenzeitung angeblich nicht zwingen kann, den Namen zu
nennen, hoffe ich, dass andere Wirte der Kronenzeitung und allen Lesern
bestätigen können, dass ich kein Feind der Wirte bin, mich aber für eine
gerechte Lösung einsetze, die nur lauten kann: generelles Rauchverbot in der
Gastronomie. Außerdem bin ich kein Tabak-Sheriff und kein Raucher-Sheriff und
auch kein Robin Hood. Das sind alles Erfindungen des Journalismus. Ich bin ein
mündiger Bürger, der mit offenen Augen durchs Leben geht und sich für die
Gesundheit der Bürger im Rahmen meiner Möglichkeiten einsetzt. Nicht mehr und
nicht weniger!
In der Nichtraucher-Zeitung (NRZ) haben wir in den vielen
Jahren wichtige Aufklärungsarbeit geleistet und das Bewusstsein der Nichtraucher
wesentlich gestärkt. Die NRZ wäre es wert, gesammelt zu werden. Vieles steht
dort, was man in keiner Zeitung lesen kann. Es eignet sich als
Unterrichtsmaterial, dient bestens für Aufsätze, Heimarbeiten, Dissertationen
usw.. Hätten wir das Geld, würden wir gerne die wichtigsten Artikel in einem
Buch zusammenfassen. Der Erfolg unserer Arbeit? Überall und jederzeit zu
rauchen ist Geschichte! Ich war meiner Zeit stets um 20 Jahre voraus. Mein
ehrenamtlicher Einsatz mit durchschnittlich 1.350 Arbeitsstunden pro Jahr geht
langsam aber sicher zu Ende. Wer ist bereit, meine Arbeit als Bundesleiter zu
übernehmen und das viele Material zu lagern? Rufen Sie an!
Die
finanzielle Situation zwingt uns leider, die NRZ nur mehr jenen zu senden, die
auch einen Beitrag dafür leisten. Herzlichen Dank für Ihre treue Unterstützung.
Bitte lassen Sie darin nicht nach, wir haben noch viel zu tun! Danke!
Robert Rockenbauer, Bundesleiter
Bestellen auch Sie die
Nichtraucher-Zeitung und werben Sie nach Möglichkeit neue Mitglieder (25,-
Euro/Jahr inklusive Zeitung).
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